Dieser Text ist ein Ausschnitt aus meinem Vortrag:
"Das andere Gesicht der Frau"Bild Nhanga Team

»… Yoni-Massage

Kehren wir noch mal zum Anfang zurück, als ich über die Körperarbeit gesprochen habe.

Mit keinem Körperteil ist die Frau so verbunden wie mit ihrer Yoni. Hier ist sie am lustvollsten, aber auch am verletzlichsten. Hier öffnet sie sich für die Welt, aber hier kann die Welt auch gewaltsam in sie eindringen.

Ich teile heute die Yoni-Massage in zwei Teile, die "Yoni-Massage – Aktivierung der Selbstheilungskräfte" und die "Yoni-Massage – Wege weiblicher Ekstase".

Bei der "Yoni-Massage – Aktivierung der Selbstheilungskräfte" suchen wir die Punkte auf, die sich unangenehm anfühlen, massieren sie, die Empfangende lässt die sich lösenden Gefühle aufsteigen, gibt ihnen Ausdruck, entspannt sich wieder und wir gehen zum nächsten Punkt weiter.

Die Punkte finden wir in Zusammenarbeit. Ich spüre eine Verhärtung, eine Verspannung oder einen starken Puls unter meinem Finger, die Frau führt mich genau auf das Zentrum. Ich halte den Punkt, drücke, massiere, während sie auf unterschiedliche Art und Weise entlädt – durch atmen, stöhnen, weinen, schreien, lachen, was halt an Emotion dort gebunden ist. Sie identifiziert sich nicht mit dem Gefühl und hält es nicht fest.

Es ist wie eine Wellenbewegung. Die Emotion steigt an in dem Maße, wie das Gewebe sie freisetzt. Ist der Punkt entladen, lässt die Emotion nach, und meist setzt ein tiefes Verstehen der eigenen inneren Situation ein.

Bei der ersten Yoni-Massage, die ich erhielt, tat sich für mich eine komplett neue Welt auf. Auf der einen Seite meiner Yoni schwemmten Erinnerungen an meine eigene Geburt hoch, auf der anderen Seite erinnerte ich die Geburt meines Sohnes.

Damals habe ich begriffen, dass es für die Körperarbeit mit Frauen keinen direkteren Zugang gibt zu den gespeicherten Gefühlen und Emotionen als die Yoni. Und deshalb können wir Frauen dort am einfachsten und am effektivsten an unserer Selbstheilung und an unserer persönlichen Freiheit arbeiten.

Trotzdem mussten fast 20 Jahre vergehen, bevor ich mich mit dieser Arbeit wirklich in die Welt stellen konnte.

Heute habe ich genug Erfahrung, genug Wissen und genug Substanz, um anderen Frauen und immer wieder auch mir selbst diesen Erfahrungsraum zu eröffnen und ihn auch zu halten.

Die "Yoni-Massage – Wellen weiblicher Ekstase" sucht die persönlichen Wellenmuster der Ekstase der Frau, und zwar durch absichtsloses Berühren.

Was einige von uns sicher aus unserem alltäglichen Erleben kennen, ist ein mehr oder weniger zielgerichtetes Stimulieren auf den Orgasmus hin – ein Tun, welches die Frauen (wie natürlich auch die Männer, aber das gehört im Moment nicht hier her!) oft sehr unter Druck setzt, ihnen das Gefühl gibt, funktionieren zu müssen und sie dadurch oft dazu bringt, sich einem fremden Rhythmus anzupassen. Wenn der Orgasmus dann kommt, sind sie von sich abgeschnitten und können sich nicht mehr im ganzen Körper davon ergreifen lassen – oft bleibt ein schales Gefühl danach, so als ob da noch mehr wäre und das eigentliche ist doch wieder nicht passiert.

In der Yoni-Lust-Massage gehen wir genau den umgekehrten Weg. Empfangende wie Massierende spüren die Wellenmuster der sexuellen Erregung der Empfangenden auf und folgen diesen, wobei die Empfangende sich total entspannt.
Und hier zeigen sich dann die persönlichen Wellenmuster der Ekstase.

Meist steigt die erste Erregungswelle steil an, die Frau ist schnell hoch erregt. Plötzlich aber lässt sie auch wieder nach.

Wenn wir jetzt nicht aus lauter Panik anfangen, darüber zu stimulieren, sondern mit unseren Bewegungen ebenfalls weniger werden, den G-Punkt halten, den Schaft der Klitoris auf dem Häutchen umschmeicheln, die Energie im ganzen Körper verteilen durch großflächige Streichungen, dann werden wir erleben, wie die Welle langsam wieder ansteigt.

Diesmal ist der Anstieg meist langsamer, dafür viel länger, und auch die hohe Erregung bleibt meist länger. Wenn wir dabei bleiben und weiterhin nicht auf den Orgasmus hin stimulieren, flaut manchmal auch die zweite Welle wieder ab. Wieder folgen wir mit unseren Bewegungen, werden langsam, halten den G-Punkt, verteilen die Energie im Körper, bleiben voll im Kontakt und in der Präsenz, atmen und warten in Ruhe ab, bis die nächste Welle anrollt.

Irgendwann geschieht sehr wahrscheinlich der Orgasmus, und der kann jetzt wirklich den ganzen Körper einnehmen, weil die Frau nicht nur ekstatisch, sondern auch entspannt ist und vom Atem durchflutet. Nach und nach dann kommt es zu dem Phänomen, das man auch auf der Orgasmuswelle immer länger reiten kann und sich das nächste Orgasmus-Plateau auftut.

Manchmal ist es auch so, dass die Empfangende einfach irgendwann genug hat, vollkommen gesättigt und erfüllt von ihrer eigenen Energie, dann lässt man die Massage einfach ausklingen.

Diese Massagen dauern ohne weiteres 3 bis 4 Stunden und eröffnen dem Paar eine ganz neue Art des sexuellen Austausches. Es ist ein sehr intimes Zusammensein, wo die Empfangende sich wirklich öffnet und zeigt und mitteilt in ihrem ganzen sinnlich-sexuellen Wesen. Und die/der Gebende, der/die sich ganz in den Dienst stellt für die Empfangende, ist reich beschenkt und voll berührt durch diesen intensiven Kontakt.

Das Öffnen des G-Punktes steht am Anfang der Massage. Sanft und stetig wird der G-Punkt massiert, kreisend, schiebend, drückend. Dabei können die unterschiedlichsten Gefühle auftauchen, auch sehr unangenehme. Aber lassen sie sich nicht entmutigen, massieren sie weiter, atmen sie, lassen sie zu, was immer passiert.

Noch einmal möchte ich aus dem Buch der Zadra´s zitieren:

"Mein erstes Mal.
Michaela, die Autorin dieses Buches, erzählt von ihren ersten Erfahrungen mit dem G-Punkt:
Zum ersten Mal habe ich von diesem mysteriösen Punkt vor ein paar Jahren gehört, als sich Freundinnen darüber unterhielten. Natürlich hat mich das neugierig gemacht, doch unter den Anforderungen des Alltags – Familie, Kinder, Arbeit – habe ich die ganze Sache bald wieder vergessen. Bis ich eines Tages im Tantrakurs von Bali und Prabatho Massage des G-Punktes machte. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich meine Sexualität immer für äußerst befriedigend gehalten. Als "Hirschfrau" (ein bestimmter genitaler Typ) komme ich durch Penetration leicht zum Orgasmus – in jeder Lage und unter allen Umständen.

Bei der Massage des G-Punktes allerdings wurde mir klar, dass ich recht wenig über meinen Körper wusste. Irgendwie ahnte ich, dass dies der Beginn einer neuen, aufregenden Reise war. Und in der Tat bin ich noch längst nicht am Ende dieser Reise angekommen, sie bereitet mir heute noch Überraschungen, weil ich immer wieder neue Wege kennen lerne, die intensive Nähe zu mir selbst weiter zu vertiefen. Für mich ist die Stimulierung des G-Punktes mit ihren "implosiven" Orgasmen die Widerspiegelung des Geistes auf körperlicher Ebene, das Tor zu einer weiblichen Spiritualität, die Körper und Geister gleichermaßen berührt.

Doch kehren wir zu jenem Tag zurück, an dem ich zum ersten Mal meinen G-Punkt erfuhr, und zwar in einer Umgebung, in der ich dies nie für möglich gehalten hätte.

Auf dem Programm stand eine Massage der Vulva und Vagina, die jede Frau von ihrem Partner bekommen sollte. Ich war ziemlich neugierig, aber nach gut einer Stunde machte sich Ungeduld breit. Ich weiß noch, dass ich innerlich kaum ruhig bleiben konnte. Angesichts des Kaleidoskops von Reizen, die auf mich einstürmten, gelang es mir kaum, das Energieniveau zu halten und präsent zu bleiben. Ja, ich verspürte sogar den drängenden Impuls, meinen Mann Elmar, der sich mit zärtlicher Hingabe meiner dreistündigen Massage widmete, mit wüsten Schimpfworten zu überhäufen. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte ich ihn wohl mehr als einmal gebeten, aufzuhören, doch die Anwesenheit der anderen und die Unterstützung der Gruppe halten mir, also machte ich einfach weiter.

Am Ende aber war ich so stocksauer, dass ich mein Zeug zusammenpackte und ohne ein Wort oder einen Blick einfach verschwand. Ich schwor mir, dass ich so etwas nie wieder machen würde, Überhaupt war ich fest überzeugt, dass unsere Lehrer alles falsch machten, dass man das einfach nicht in der Gruppe machen sollte und dass mit mir irgendetwas nicht stimmte. Es hatte einfach keinen Sinn, in der Sexualität etwas zu suchen, was dort nicht zu finden war.
Und doch spürte ich nach diesem Tag, dass meine Art, Liebe zu machen, sich deutlich verändert hatte: Vorher war es immer schön gewesen, jetzt war es umwerfend. Jedes Mal, wenn mein Mann mich nahm, spürte ich in mir diesen Punkt, der aufflammte wie ein Lämpchen – was mich enorm verwunderte. Wie kam es, dass sich in mir plötzlich dieses intensive, deutliche und wunderbare Erleben einstellte? Als ich den Veränderungen in mir genauer nachspürte, entdeckte ich, dass meine Sensibilität im Genitalbereich angestiegen war. Ich war mir meiner Empfindungen viel klarer bewusst als vorher, was die Lust zu einem raffinierteren Vergnügen machte. Mein Mann und ich genossen auch ruhige Momente, in denen er sich nur wenig bewegte, seine Lage kaum veränderte. Ich konnte sogar den Atem spüren, der mein Becken ganz ausfüllte. Als ich all das meinem Mann erzählte, kam ich aus dem Staunen gar nicht mehr heraus: Nicht nur mir war es so ergangen, auch für ihn war das sexuelle Empfinden vielfältiger, genussreicher, intensiver und gleichzeitig delikater geworden.

Ein paar Wochen später wiederholten wir die G-Punkt-Massage, doch dieses Mal zu Hause und allein. Ich erwartete dieselbe Nervosität, dieselbe Reizbarkeit und Wut, wie ich sie im Tantrakurs erlebt hatte. Ich hatte mich auf all diese unangenehmen Gefühle eingestellt, doch tatsächlich geschah nichts dergleichen. Die meiste Zeit während der Massage spürte ich kaum etwas, ein gewaltiges Nichts, eine große Leere, in der weder Lust noch Leid auftauchten. Das war die dritte Überraschung. Nach dieser zweiten Massage wurde unser Liebesspiel vergleichsweise ruhig. Ich spürte die winzigen inneren Veränderungen noch stärker und war während des Aktes präsenter als je zuvor: War es früher hin und wieder vorgekommen, dass ich mich in Gedanken verlor, mich fragte, was ich hinterher kochen würde, wie es meinem Partner wohl erginge oder was mich am nächsten Tag in der Arbeit erwartete, so blieb ich nun in dauerhaftem Kontakt mit dem unglaublichen Reichtum von Empfindungen, die mein Becken erfüllten, um sich dann konzentrisch über den ganzen Körper auszubreiten. Das war nun mein großer Wurf: eine sanfte und dauerhafte Präsenz, ein neuer Sinn für innere Tiefe, ein "Bei-mir-bleiben-Können", das mich an bestimmte Momente meiner Kindheit erinnerte, in denen ich mich auf einen riesigen umgestürzten Baumstamm setzte, um den lautlosen Geräuschen zuzuhören, die so deutlich in mein Bewusstsein drangen, dass ich sogar die Bewegung einer Raupe unter der Rinde meines Baumes wahrnehmen konnte.

In der Folge wurde die große Leere der zweiten Massage von einem Crescendo lustvoller Emotionen erfüllt. Ich entdeckte neue innere Welten, neue Empfindungen – mit oder ohne Orgasmus – bei der Masturbation, beim Liebesakt oder in meinen erotischen Träumen. Doch auch außerhalb der sexuellen Erfahrung erlebte ich meinen Körper neu und voller Leben: Ich war kraftvoll und entspannt, aufnahmefähig und explosiv, strahlend und geheimnisvoll, enthüllt und verborgen, verschlossen und offen zugleich. Ich fühlte mich wie eine Braut, deren Gesicht vom Schleier befreit wird, damit sie den Kuss empfangen kann, der ihr gesamtes Leben verändern wird. Und all das hatte mit einem einfachen Punkt begonnen!" ...«

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